Das Völkerschlacht-Denkmal

Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts besetzte Kaiser Napoleon I. halb Europa und machte viele Staaten zu Vasallen Frankreichs. Erst mit der Zurückschlagung der französischen Truppen in Russland 1812 und der ein Jahr später statt findenden Völkerschlacht bei Leipzig wurde Napoleons Herrschaft über Deutschland beendete.

So gab es alljährlich in unserem Land Triumphfeiern, bei denen Freudenfeuer angezündet wurden. In Braunlage nannte man es „Fackelfeier“. Vor allem von Jugendlichen wurden dazu Holzfackeln hergestellt und angezündet.

Zum 100. Jahrestag nach dem Sieg über Napoleon im Jahre 1913 feierte man dieses Jubiläum mit einem rauschenden Fest. In Braunlage beteiligten sich daran etwa 2000 Menschen am Festwochenende des 18.und 19. Oktobers mit Reden, Konzerten, Gottesdienst, Wettspielen und diversen Aufführungen.
Als Hauptplatz der Feierlichkeiten hatte man etwa in Stadtmitte die Ecke Herzog-Wilhelm-Straße/Von-Langen-Straße ausgewählt. Hier sollte ein Denkmal zum Anlass der Jahrhundertfeier aufgestellt werden. Wenige Tage zuvor war aus dem nahegelegenen Steinbruch ein Granit-Findling geschlagen und am Festtage mit einem 8-spännigen Pferdewagen zum sogenannten „Schmuckplatz“ gefahren worden.

Pastor Dröge hielt mit schallenden Worten die Weihrede.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner der Anwesenden, dass schon im nächsten Jahr der Erste Weltkrieg beginnen und es damit zu keiner weiteren Jahresfeier der Völkerschlacht kommen sollte.

Für Braunlage hatte die Jahrhundertfeier aber auch einen segensreichen Nebeneffekt. Der Lehrer Gottlieb Schmidts regte zu diesem Anlass seine Schüler an, Sachen aus alter Zeit für eine Ausstellung zu sammeln.
Nachdem diese Dinge zunächst im Schaufenster des Geschäftes Krach und Meinders ausgestellt wurden, entstand damit unter Mithilfe von Oberförster Arthur Ulrichs und Kunstmaler Ferdinand Thomas das 1916 eröffnete Heimatmuseum.
Hierin wird noch heute die von Ferdinand Thomas zur Jahrhundertfeier entworfenen, gusseiserne Tafel ausgestellt, die die Namen der seit 1812 gefallenen Krieger nennt.

Das „Völkerschlacht“-Denkmal steht noch immer an seinem ursprünglichen Platz, an der Kreuzung Von-Langen-Straße/Schultal inmitten einer mit Blumen bepflanzten steinernen Einfassung.

Originaltext gekürzt
J. Kühnhold
Kulturwart des Harzklub-Zweigvereins Braunlage e.V.