Die Brunnenbachsmühle

Die „Braunen Bachsche“ Sägemühle wird 1608 zum ersten Mal erwähnt. Es ist nicht bekannt wann sie gebaut wurde. Sie lag in der Nähe des Zusammenflusses von Brunnenbach und Kronenbach, am nördlichen Ufer des Brunnenbachs.
Der Brunnenbach ist ein alter Grenzbach. Das Regenstein'sche Güterverzeichnis aus der Zeit von 1253-1260 erwähnt ihn bei der Beschreibung des Bodfelder Harzforstes, dessen westlicher Teil die Holzmark Brunenlo war. Die Südgrenze dieser Holzmark lief nach dieser Beschreibung "die Bode up wente dar die Bronebeke (Brunnenbach) in die Bode valt, al den Bronebeke up wente dar die Crodenbeke (Kronenbach) in den Bronebeke valt."
Zur Zeit der Grenzbeschreibung hatte das Kloster Walkenried den südlich des Bodfelder Harzforstes liegenden Teil des Harzes von den Grafen von Hohnstein erworben ... [und] … [betrieb] am südlichen Ufer des Brunnenbachs zunächst eine Kupferhütte und an ihrer Stelle später eine Sägemühle, die „Schächermühle“. Eine weitere Walkenrieder Sägemühle befand sich ca. 2 km flussabwärts, die „untere Schächermühle“.

Der erste namentlich bekannte Sägemüller auf der Brunnenbachs Mühle war Hans Querfurth (1672).
Aus einer Baurechnung aus dem Jahre 1707 geht hervor, dass die Brunnenbachsmühle unter Verwendung alter Teile neu gebaut wurde. Die Mühle erhielt ein 10 ½ Fuß, das sind ca. 3m, hohes Wasserrad. Gleichzeitig wurde ein neuer Sägetyp eingeführt, das Werk bestand jetzt nicht mehr aus nur einer Säge, sondern es hatte nun mehre Sägen im Riegel (Gatter). Die Umstellung der Sägetechnik erfolgte auch bei den anderen Mühlen. Der Gesamtaufwand für die Modernisierung der Sägemühlen Gottes Besche­rung, Malckwarsich, Brunnenbach und Goldhau­fen betrug 642 Thaler 24 Gute Groschen und 7 Pfennige.
Dass die Investition nicht unbeträchtlich war erkennt man, wenn eine vereinfachte Rechnung durchführt wird. Ein Schmiedemeister verdiente im 18. Jahrhundert bis zu 16 Thaler im Monat. Ein Hüttenschreiber bekam ca. 240 Thaler/Jahr, d.h. im Monat ca. 20 Tha­ler. Setzt man in grober Vereinfachung das Netto-Gehalt eines Werkleiters mit 4.000,- € an, so beträgt die Relation etwa 1 Thaler = 200 €. Umgerechtet betrug die erbrachte finanzielle Leistung also 128604,86 €.

In einem Kauf- und Erbzinsbrief vom 12. Juli 1710 wird die Mühle wieder erwähnt, es heißt darin, „daß wir unsere Sägemühle im Brunnenbach ohnweit von Braunlage gelegen wegen Mangel an Blochholz abgehen und liegen lassen müssen" und sie an den Ölmüller Jürgen Meyer verkauft haben.
Der neue Besitzer machte aus der Sägemühle, eine Mühle in der Raps zerschrotet, Rüböl gepresst und mit einem anderen Mahlgang aus zermahlener Fichten- oder Buchenrinde Lohe ge­wonnen wurde. Die Brunnenbachsmühle war zu einer Öl- und Lohmühle geworden. Eine Lohmühle dient zur Zerkleinerung der für die Lohgerberei notwendigen pflanzlichen Gerbmittel.
Als Lohe wird die früher fast ausschließlich, heute nur noch selten, zum Gerben verwendete Baumrinde bezeichnet.

1742 hat Johann Ernst Fasterling, auch Fensterling, Försterling oder Foesterling genannt, Bürger und Brauer aus Wernigerode, die Mühle gekauft und bis zu einer Flutkatastrophe in der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1760 betrieben.
Pastor Grüner berichtete im Kirchenbuch Braunlage, Beerdingungsregister vom 3.12.1760, über die Zerstörung der Brunnenbachsmühle:
„ Diese 4 Personen haben elendiglich ihr Leben auf der Brunnenbachsmühle verloren. Denn nachdem es vorher sehr geschneiet und auf einmal zu tauen anfing, so wurde der nahe bei der Brunnenbachsmühle belegene Andreasbergische Teich [Silberteich] so groß, daß durch das Ungestüm des Wassers der Damm ausriß, sehr viele Bäume in der Nacht zwischen dem 3ten und 4ten December aus der Erde riß, gegen die Mühle warf und auf solche Weise das Haus zertrümmerte, da denn die Leute im Schlafe von diesem Wasser ergriffen und, ohne daß jemand konnte geholfen werden, in der Nacht ihr Leben verloren. Den 4ten December des Nachmittags erfuhr man erst hier diese traurige Begebenheit, da denn sogleich nachgesucht, aber niemand als der Mühlenbursche gefunden wurde. Dieser ist den 9ten December auf dem Kirchhof begraben, und zum Leichentext wählte ich die Worte Hiob 34, 20.21. In der darauffolgenden Woche wurde der alte Hirte bei Königshof gefunden und ist in Elbingerode begraben. Vierzehn Tage nachher fand man die beiden Töchter im Hohegeißischen, woselbst sie auch sind beerdiget worden. “
Nach der Katastrophe von 1760 baute man die Mühle etwas weiter vom Bachlauf entfernt gegenüber dem heutigen Waldjugendheim neu auf. 1779 wird sie als Öl-, Loh- und Grützmühle betrieben.

1862 wurde die Straße Braunlage - Zorge ausgebaut, und am 11.11.1862 teilte die Herzogliche Kreisdirektion Blankenburg dem Gemeindevorsteher in Braunlage mit, dass dem Müllermeister Hasselbarth zur Brunnenbachsmühle die Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft erteilt wird zur Befriedigung der Bedürfnisse der Arbeiter, die beim Bau der Straße beschäftigt wurden. Die Mühle wird in den Brandkatastern von 1875 nur noch als Sägespanmühle genannt. 1884 brannte die Mühle ab, der damalige Besitzer Benneckendorf verkaufte sie danach an den braunschweigischen Staat, der sie abreißen ließ.
Friedrich Reinbold schrieb 1979 in der Harzzeitschrift: Ihre Fundamente, der Ober- und Unter­graben sind noch deutlich zwischen Straße und Brunnenbach an dessen linken Ufer oberhalb der Brücke zu erkennen. Gemeint ist die Brücke, auf der die L600 den Brunnenbach quert.

Von 1899 bis zur Stilllegung der Südharzeisenbahn führte der Bahnhof, der auf der rechten Seite des Brunnenbachs steht, den traditionsreichen Namen Brunnenbachsmühle weiter. Seit 1967 hat das Waldjugendheim den Namen übernommen.


Text gekürzt wiedergegeben
Originaltext mit Bildern in der Braunlager Zeitung; Ausgabe 9/09

Bernhard Friedrichs
Arbeitsgruppe Dennert - Tanne
im Harzklub-Zweigverein Braunlage e.V.