Ramser Sägemühle

aus GZ : 16. August 2012

Erinnern an einen vergessenen Ort

Grenzüberschreitendes Projekt zweier Harzklub-Zweigvereine: Neue Dennert-Tanne an der Ramser Sägemühle
Von Günther Breutel

BRAUNLAGE/ELEND: Im idyllischen Tal der Warmen Bode am ehemaligen Kolonnenweg, der jetzt zum Grenzweg gehört, steht seit Dienstag eine neue Dennert-Tanne. Vertreter der Harzklub-Zweigvereine Braunlage und Elend haben sie gemeinsam installiert, um an die ehemalige Ramser Sägemühle zu erinnern.
Dieses gemeinsame, grenzüberschreitende Projekt ist bisher einmalig im Harz. Die Idee dazu hatte die Mitglieder beider Zweigvereine schon lange bewegt, im Jahr 2010 wurde eine Zusammenarbeit vereinbart, Dienstag wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Besser gesagt, es wurden Schrauben mit Muttern gegedreht, denn die beiden Vereinsvorsitzenden Albert Baumann (Braunlage) und Karl-Heinz Brumme (Elend), sowie der Braunlager Kulturwart Jörg Kühnhold und das Harzklubmitglied Gerhard Hache (ebenfalls Elend) schraubten gemeinsam die neue Dennert-Tanne an den vorher gesetzten Pfahl.


Woher ist der Name?
Die harztypische Erläuterungstafel in Tannenform informiert in kur zen Sätzen über die ehemalige Sägemühle. Schon 1506 wurde die Mühle in Unterlagen der Grafschaft Stolberg erwähnt, für jährlich „ein Fuder Dielen als Zinsgut" wurde diese den Untertanen überlassen. Ihr Name soll sich nach dem alten Forstgebiet „Remese" (Ramse) ableiten. Ganz sicher ist sich Kulturwart Kühnhold aber nicht, denn nach alten Überlieferungen könnte der Name vom Bärlauch, der in der Braunlager Gegend als „Ramse" bezeichnet wird, abstammen. So wie so, die Ramser Sägemühle existierte, nachweislich sind dort sechs Kinder geboren wurden. Zwischen 1689 und 1809 konnten die Sägemüller nachgewiesen werden. Ab dieser Zeit war die Mühle eine Försterwohnung und Viehhof.
Nach den Funden alter Grundmauern gehörten mehrere Gebäude zum Komplex, der Zuführgraben des Aufschlagwassers aus der „Warmen Bode" ist noch sichtbar. Der Grund und Boden gehörte einst zum Amt Elbingerode und war damit Bestandteil des Königreiches Hannover. Die Warme Bode war schon immer ein Grenzfluss zwischen dem Königreich Hannover (später Preußische Provinz Hannover) und dem Herzogtum Braunschweig, zur DDR-Zeit war sie „Zonengrenze" und trennt sie die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.


Rätsel für Forscher
Verwaltet wurde die Ramsenmüh-le von Benneckenstein aus, die Arbeitskräfte kamen überwiegend aus Braunlage. Über das Ende der Mühle ist bis heute nur bekannt, dass sie an der bezeichneten Stelle abgebrochen wurde und Teile in Königshüte wieder aufgebaut worden sind. Rätsel geben den Heimatforschern die an dieser Stelle größeren Funde von Eisenschlacken auf: Sind es Reste einer ehemaligen Eisenverhüttung oder wurden die Schlacken als Füllmaterial benutzt? Aufschlüsse darüber können erst genauere Untersuchungen von Geologen geben.
Da sich die Ramser Sägemühle lange Zeit im scharf bewachten Grenzgebiet befand, war sie gut geschützt und nicht näher erforscht worden. Heute schlängelt sich der viel begangene Harzer Grenzweg dort vorbei und alle Wanderer werden durch die neue Dennert-Tanne auf die Bedeutung der noch sichtbaren Grundmauern aufgeklärt.